Scanner Epson Perfection 1260 Photo | |||
| Scanner unter Linux sind leider noch nicht immer kinderleicht zu installieren.
Da ich relativ mühsam neue Erfahrungen sammeln musste, dachte ich, dass vielleicht jemand an dieser Geschichte Interesse haben könnte. Vielleicht hift sie ihm, in einem ähnlich gelagerten Fall etwas schneller zum Ziel zu kommen. Die ganze Geschichte fängt so an, dass ich mir rasch einen Scanner kaufen wollte, der unter Linux gut funktioniert. Die Schnittmenge zwischen dem aktuellen Angebot der einschlägigen Läden (Vilan, Interdiscount etc.) und der Liste der von Sane (dem TWAIN-Äquivalent unter Linux) unterstützten Scanner ist leider sehr bescheiden. Das Sane-FAQ meint, dass EPSON der einzige Hersteller ist, welcher für fast alle seiner Scanner-Modelle selber Linux-Treiber anbietet, und daher habe ich mich für den EPSON Perfection 1260 Photo entschieden. Für 200 Fr. habe ich ein Gerät erstanden, dass nicht mehr zu den günstigen Schnäppchen gehört, das alle Tester im Internet als langsam bemängelten, aber dessen Scanner-Leistungen als passabel bewertet wurden. Aber schliesslich möchte man ja Linux-freundliche Firmen unterstützen. Die Woody-Distribution mit selbstgebackenem Kernel 2.4.20 hat Sane in der Version 1.0.7 installiert. Man findet auf diversen Webseiten relativ rasch den Hinweis, dass für die Unterstützung von neuen USB-Scannern das Modul scanner mit zwei Parametern vendor und product manuell geladen werden muss, wobei die korrekten Werte in /proc/bus/usb/devices gefunden werden. Damit war die erste Hürde übersprungen, doch danach fingen die Probleme erst an. sane-find-scanner findet den Scanner, aber xsane blockiert sich anschliessend beim Zugriff so fest, dass der Prozess sogar gegen ein kill -9 immun wird. Irgendwann kommt man auf die Idee, es mit einer neueren Versionen zu versuchen. Leider enthält nur Debian/Unstable Sane in der aktuellen Version 1.0.9 und wie installiert man das auf einem Woody-System ohne sein ganzes Package-Management zu ruinieren? Nur wegen des Scanners auf Unstable zu migrieren, war für mich nicht akzeptabel. Die erste Idee war, einfach das entsprechende Binary-Paket aus Unstable zu installieren. Leider schreit dpkg -i nach diversen Paketen, von denen Woody noch nie etwas gehört hat. Und die wollen dann eine neue libc. Mein nächster Versuch war apt-get source -t unstable, mit anschliessendem kompilieren, aber wegen diverser Abhängigkeiten scheiterte dieser Versuch auch. Halt, der Hersteller bietet ja Support an! Man kann auf der japanischen Webseite (von welcher die Schweizer und die Deutsche EPSON-Webseite nur wissen, dass sie Linux-Druckertreiber enthält) dafür ein Programm namens iscan herunter laden. Das Programm kann als RPM-Paket (für Debian-Anwender von zweifelhaftem Wert) oder aber als Source-Paket heruntergeladen werden. Nach der Nachinstallation der notwendigen Development-Pakete (deren Installation ich bisher nicht für notwendig erachtet hatte) installiert ./configure, make und make install diverse Files unter /usr/local, unter anderem das Programm iscan. Rasch das Programm iscan aufgerufen, aber dies meldet nur, dass kein EPSON-Scanner gefunden wurde. Glücklicherweise bietet EPSON sogar ein Diskussionsforum an, und nach ein bisschen Schnuppern habe ich dann den Kommentar eines anderen Benutzers gefunden, dass er Probleme zwischen der Distributions-Installation unter /usr/lib/sane und der EPSON-Version unter /usr/local/lib/sane durch Kopieren aller Files gelöst habe. Richtig, der Source-Code von iscan enthält ja auch noch Teile der Sane-Library, nämlich das File libsane-epson.so.1.0.6, welches nach /usr/local/lib/sane installiert wurde. Passt das zur restlichen Sane-Library, welche in der Version 1.0.7 installiert ist? Zerstören können wir nichts, also sind wir mutig und kopieren einfach libsane-epson.so.1.0.6 nach /usr/lib/sane und passen den Link libsane-epson.so.1 an. Und - oh Wunder - iscan findet plötzlich seinen Scanner! Und auch xsane funktioniert nun in seiner vollen Pracht. Der Scanner hat eine Zusatz-Einheit zum Scannen von Dias (dessen Funktionalität aber nicht von allen Online-Testern gelobt wurde), und die entsprechende Lampe kann sogar unter Linux zum leuchten gebracht werden! Einzig die 4 Knöpfe zum Start eines Scanvorgangs direkt am Gerät selber sind unter Linux funktionslos. Dazu braucht man definitiv einen Windows-Computer (evtl. geht auch Mac?!). Und die gross auf dem Verpackungs-Karton angepriesene Auflösung von 1200x2400 dpi kennen die Linux-Treiber nicht (welche maximal 1200x1200 dpi unterstützen). Aber da die 2400 dpi-Auflöung sowieso nur ein Marketing-Gag ist, stört mich das nicht gross. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Linux-Support des Herstellers nicht zwangsläufig keine Probleme bedeutet. Aber Geduld wird schliesslich belohnt.
8. Januar 2003
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