Naehmaschinen |
|||
| Was haben Nähmaschinen und Opensource miteinander zu tun? Nicht viel. Google findet heute ungefähr drei Webseiten mit den beiden Begriffen. Als im Herbst 2002 Bernina eine Nähmaschine mit dem Betriebsystem WinCE herausbrachte, war die häufigste Reaktionen: Die Nähmaschine werde nun bei einem Betriebssystemabsturz den berühmten blauen Bildschirm sticken.
Daneben tauchte auch die Frage auf, ob eine Alternative mit einem freien Betriebssystem existiere. Im folgendne gebe ich eine Zusammenfassung der Situation von Nähmaschinen und Open Source geben, wie ich sie zu diesem Zeitpunkt gesehen habe. Nähmaschinen waren früher rein mechanische Teile, und auch heute noch wird der grössere Teil der Synchronisation zwischen den verschiedenen Hebeln mechanisch gemacht. Aber die Software wird für viele Hersteller zu einer immer wichtigeren Komponente. Ich habe seit kurzem eine Nähmaschine mit RS232-Schnittstelle. Damit ist es möglich, 12 interne Speicherplätze für Nutz- und Zierstiche mit der mitgelieferten Windows-Software aus einem Set von ca. 170 Mustern beliebig aufzufüllen (incl. Druckausgabe einer Schablone). Es ist mir aufgefallen, dass sich die High-End-Nähmaschinen eigentlich weniger durch mechanische Details als durch die interne Software unterscheiden. Z.B. hatte ein Luxus-Modell eine Funktion, so dass man einen Knopf auf das Display legen und an einem Rad den Durchmesser optisch anpassen konnte, worauf dann die Knopflöcher automatisch in der richtigen Grösse genäht wurden. Die geneigte Leserin wird mir sicher zustimmen, dass solche Bequemlichkeitsfeatures nicht zu verachten sind (ebenso wie es Situationen gibt, bei denen eine File-Kopier-Aktion angenehmer via ein graphisches Benutzerinterface als via Kommandoeingabe durchzuführen ist). Speziell softwarelastig sind natürlich die Stickerei-Computer. Man ist heute soweit, dass man ein beliebiges Bild mit einem Scanner einscannen, mit geeigneteter Software aufbereiten und schliesslich von einer Nähmaschine mit Stickmodul auf sein T-Shirt etc. sticken lassen kann. Bei den Käufern von Software handelt es sich um ein vertikales Segment. Dies bedeutet kleine Stückzahlen und Kunden, die einander persönlich kennen. Entsprechend sind die umfassenden Versionen (welche einen vierstelligen Betrag kosten) nur für Standard-Betriebssysteme erhältlich und auch durch Hardware-Dongles o.ä. geschützt. Es gibt weltweit vielleicht ein halbes Duzend Hersteller von Stickerei-Computern. Bernina ist einer davon, und hat weltweit einen guten Namen, das heisst, ihre teuren Produkte sind den Mehrpreis auch Wert (wie ich auf einer amerikanischen Webseite las). Nun gibt weiter durchschnittlich zwei Formate von Stickerei-Mustern pro Hersteller. Offensichtlich sind die Stickereicomputer immer leistungsfähiger geworden, und entsprechend mussten die Dateiformate erweitert werden. Die teureren Softwareversionen aller Hersteller können jeweils auch die gebräuchlichsten Fremdformate lesen. Alle Stickereimuster-Formate sind meines Wissens proprietär und nirgends öffentlich dokumentiert. Früher musste man Stickereimuster auf PC-Card-ähnlichen ROM-Karten mit 20 Mustern zu 99 Fr. kaufen. Heute kann man sie im Dutzend gratis vom Internet herunterladen. Allerdings dürfen dann die andern 988 Muster mit der Kreditkarte bezahlt werden. Es gibt weiter diverse Webseiten unterschiedlicher Qualität von Personen oder Vereinen, die die Welt über ihr Hobby Computer-Stickerei informieren. Shareware ist für Stickerei-Computer wenig zu finden. Was es gibt, sind einige ca. 100 Dollar teure Programme zur Konversion zwischen den verschiedenen Stickerei-Formaten. Ein Australier hatte einmal den Versuch gemacht, eine Shareware-Software zu schreiben. Nach offensichtlich schlechten Erfahrungen hat er aber die gesamten Rechte an seiner Software an Husqvarna verkauft. Open Source ist in diesem Bereich überhaupt nicht zu finden. Aber wenn man bedenkt, dass die allermeisten Anwender von Stickereicomputern Hausfrauen und nicht Software-Ingenieure und Webmasterinnen sind, ist das auch nicht weiter verwunderlich. |
|||
|